Tsunami - Hilfeaktion in Südindien

Bericht vom 1. März 2006

Anjali & R. Sriram

15. 3 2006
Einsatz der Spendegelder 14 Monate nach der Tsunami – Katastrophe

Wir bedanken uns bei den vielen Spendern. Bis zum heutigen Datum wurden 42.822€ an unser Spendekonto überwiesen. Bis Ende April 2006 bestand unsere Arbeit hauptsächlich aus Soforthilfe.
Von Mai bis Dezember ruhten unsere Aktionen, weil wir in Deutschland weilten.
In den letzten 3 Monaten haben wir uns sorgfältig die Auswirkungen, die der Tsunami brachte, angeschaut. Zunächst haben wir die 4 Dörfer, in denen wir schon bekannt waren, aufgesucht und gehört, wie es den Leuten geht, was mit den Booten passiert ist und von welchen Organisationen sie noch Hilfe bekommen haben. Außerdem haben wir an einer großen Tsunamispendenkonferenz teilgenommen.
Deutlich wurde, dass sehr viel Geld für Tsunami gespendet wurde.
In den schwer betroffenen Dörfern hat die Regierung neue Häuser gebaut, sie sind weiter vom Meer weg als die ursprünglichen Dörfer, aber immer noch nah genug am Meer für die Aktivitäten der Fischer. Der Umzug in die neuen Häuser läuft gerade an, bis jetzt haben die meisten in Behelfsbaracken gewohnt.
Überall sieht man Gebäude gestiftet von privaten Organisationen: ein neuer Fischmarkt mit Kühlketten (früher Straßenmarkt mit vielen Fliegen), hier und dort Gemeinschaftszentren oder neue Schulgebäude. Und es gibt mehr Boote als je zuvor.
Das klingt alles wunderbarer als es in Wirklichkeit ist. Leider wurden von großen Stiftungen an ein Dorf z.B 15 Boote gebracht, die aber so billig gebaut sind, dass die Fischer sich nicht trauen sie zu benützen, sie haben Angst mit ihnen aufs Meer zu gehen. Jeder Fischer hat seine ihm vertraute Werft, aber durch die vielen Spenden und die unendlich große Nachfrage nach Booten wurden von Sponsoren Werften ausgesucht die sofort Schiffe versprachen und so kam es, dass es zu viele Boote gibt am indischen Meer.
Auch was die Gebäude angeht: Sponsoren aus dem Ausland haben Schecks an Bauagenturen gegeben die sie nicht überwachen konnten, die darauf hin eine freie Hand hatten und die neuen Gebäude sind dementsprechend. Auch sind vermehrt Großboote (Troller-boote) im Einsatz, durch wohlgemeinte Großspenden von irgendwo, die die Meeresökologie zerstören. Allein an unserem Strand haben wir schon 7 große tote Riesenschildkröten gefunden. Die Zeitung hat von verheerenden Auswirkungen gesprochen.
Wir haben uns nach Anschauen der Sachlage entschlossen die Restbeträge der Spendegelder so einzusetzen, dass sie die Lücken füllen und zu Menschen kommen, die sie brauchen:
• Für Hilfe für persönlich Betroffene
• Für Schulprojekte

KOONIMEDU KUPPAM SCHULPROJEKT
In Koonimedu habe ich letztes Jahr mehrmals den Hilfskontainer besucht in dem 137 Kinder aller 5 Klassen unter einem Wellblechdach eingepfercht zusammen gelernt haben. Ich habe damals Spendegelder eines deutschen Gymnasiums so eingesetzt, dass der Unterricht weiterging – Wandtafeln, Schreibmaterialien, Ventilatoren, Schränke, Schuluniform unter anderem.
Ich habe die Schule nach 11 Monaten wieder besucht und ich muss sagen, mich hat fast der Schlag getroffen: Die alte, beim Tsunami nur leicht beschädigte Schule (die lang gesperrt war, weshalb die Kinder in den Containern Unterricht bekamen), ist teils abgerissen, wobei die übrigen Mauerreste noch in die Luft ragen. Ein altes Gebäude mit Löchern im Dach ist stehengeblieben. Ein neues Gebäude mit 2 Klassenzimmern gestiftet von privaten Sponsoren wurde im Februar eingeweiht. Auf einer exklusiven Marmortafel steht, „Sponsored by HSBC, the World’s Local Bank with the cooperation of the Madras Round Table, inaugurated in the presence Dame Mary Richardson“. (HSBC ist eine internationale Bank mit Sitz in Hongkong;) Das Gebäude ist derartig schlecht gebaut, dass die Schulleitung und Eltern Angst davor haben, dass das Dach stürzt. Der ganze Platz sieht gefährlich aus. Der Zementboden wurde so billig gemacht, dass nach 4 Wochen Nutzung riesige gefährliche Löcher in den Boden ragen, ein Kind schon gestürzt ist und ein anderes den Fuß geknickt hat. Die Metallfenster sind teilweise schon kaputt. Die Rektorin der Schule hat sich derart über meinen Besuch gefreut und mich gebeten, ihrer Schule weiter zu helfen und wenigstens den Boden vom neuen Gebäude zu reparieren. Wir haben entschlossen, nicht nur das neue Gebäude zu einem gebrauchbaren Zustand hin zu reparieren, sondern auch ein altes Gebäude das noch steht ohne ein richtiges Dach. Auch werden wir die gesamte Anlage verbessern, eine richtige Waschanlage für die Kinder bauen, Bäume anpflanzen und eine Mauer rings um die Schule herum errichten, so dass die Anlage nachts nicht von alkoholisierten Menschen missbraucht wird und so dass tagsüber keine Eindringlinge in die Schule gelangen und die Kinder während der Pausen nicht von der Schule verschwinden.
Wir haben mit 3 verschiedenen Auroville Architekten gesprochen und sind nun mit einem Bauleiter im Gespräch. Er wird den gesamten Schulbereich sanieren. Wir werden seine Arbeit verfolgen.
Wir werden circa 11 bis 12 Tausend Euro zur Sanierung bereit stellen. Das ganze wird außerdem durch einen kleinen Garten verschönert werden. Wir sind von dieser Arbeit überzeugt, weil sie sonst niemand machen wird. Das alles läuft nicht über das Fischerdorf und deren Panchayat, sondern wir haben schon direkt mit der Regierungsbehörde des Districts Kontakt aufgenommen und die Bauerlaubnis bekommen. Dort sind sie uns sehr dankbar und wir machen es auch weil die Leiterein der Schule, Frau R. Suganthi, wie deren 5 Lehrerinnen sehr engagierte Frauen sind. Sie haben uns erzählt, dass sie Angst haben, den Unterricht in den neuen Räumen durchzuführen. Selbstverständlich werden wir das Dach stützen lassen, da sonst nach ein paar Jahren Einstürzgefahr droht.
Koonimedu Schulprojekt
Koonimedu Schulprojekt   Koonimedu Schulprojekt
     
Koonimedu Schulprojekt   Koonimedu Schulprojekt
EINZELSCHICKSALE
In Palavakkam unterstützen wir eine Witwe, die auch ihren einzigen Sohn im Tsunami verloren hat. Wir haben sie während unserer Hilfsaktionen "Netzkäufe für Pallavakkam" letztes Jahr kennengelernt. Die Frauen im Dorf hatten uns gebeten ihr zu helfen. Gerade so was möchten wir unterstützen, weil wir den Zusammenhalt des Dorfers und der Frauen als wohlwollend spüren, und so die Gelder an die, die sie wirklich brauchen kommen und das soziale Netzwerk des Dorfes unterstützt wird. Die Reparaturarbeit hat schon bekommen und wird etwa 1900 Euros kosten.
Dazu übernehmen wir im selben Dorf ein Teil der Krankenhauskosten eines Fischers, der sämtliche Koordinationen mit mir zusammen bei den Netzkäufen direkt nach dem Tsunami gemacht hat. Er erlitt einen schrecklichen Verkehrsunfall bei den Aktionen und hatte keine Rücklagen für die Krankenhauskosten.
Damit kommen die gespendeten Gelder nach unserem besten Wissen richtig gut zum Einsatz. Wir werden sämtliche bis jetzt gespendeten Gelder benötigen, um die drei angegangenen Projekte zu beenden.
KEINE WEITEREN BOOTE
Wir werden keine weiteren Boote kaufen. Es gibt jetzt genügend Boote, eins unserer Boote wurde schon verkauft von den Fischern (Beerfelden 1). Die Fischer sagen, sie brauchten dringend das Geld, was sicher stimmt, denn sie gingen lange nicht aufs Meer trotz Boot, aus Angst vor den Nachbarn noch ohne Boote. Wir nehmen jedoch an, sie haben unser Boot mit dem Namen eines neuen Spenders neu bemalt und dessen Geld behalten. Erst seit Ende letzten Jahres gibt es so viele Boote.
Es ist von Anfang unser Motto, kein Geld und keine Schecks an die betroffenen Fischer, alles nur in von uns überwachten Projekten als Hilfsaktion darbringen. Da dies von uns sehr viel ehrenamtlichen Einsatz verlangt und sehr viel unserer Zeit in Anspruch nimmt, möchten wir nach diesen Projekten unsere Tsunamiaktionen beenden.
Eventuell übrigbleibende Gelder
Wir können noch Spenden annehmen, da wir nicht genau wissen, wie die Kosten für Koonimedu letztlich sind. Sollten Gelder übrig bleiben, werden wir sie der Organisation CCD (Covenant Centre for Development) in Madurai überweisen- wir haben gerade auf einer Reise gesehen, was für sagenhafte Schulprojekt sie durchführen und wie sie aryuvedische Medizin zu den Dörfern und den Armen bringen, wie sie für die von Tsunami betroffenen Bauern Hilfsaktionen leisten.(Für die Bauern, die nahe am Meer anbauen, hat niemand was getan hat, sie kämpften lang mit versalzendem Boden nach den Wellen)
Im Umfeld unserer Arbeit haben wir auch den Rektor einer Dorfschule mitten im Wald, in der Nähe von Koonimedu, die aber nicht vom Tsunami betroffen ist, kennen gelernt. Er ist sehr daran interessiert, seiner Schule ein neues Gesicht zu geben und könnte eine Partnerschule für seine 32 - 5 bis 11 Jährigen - Kinder benötigen. (Lernmaterial, usw.)
Sobald wir wieder in Deutschland sind, werden wir die einzelnen Posten der Kontoführung in geeigneter Form veröffentlichen.


Bericht vom 11. April 2005

Palavakkam ist ein Fischerdorf das in der Stadt Chennai liegt. Von der Küstenstrasse fällt es nicht auf, da davor die Großstadt sich ausgedehnt hat. Unser Freund und Kollege Mukundan lebt dort und hat den Kontakt zu den Fischern aufgenommen und sich nach Ihrer Lage erkundigt. 50% der Fischer leben von anderen Jobs und da all ihre Netzte weggespült waren oder zerstört, lag ihr Fischfang völlig danieder. Sie konnten aber ihre Catamarams selbst reparieren. Wir haben beschlossen, weil sie auch selbsrt sehr aktiv im reparieren waren, sie mit den Netzten auszustatten. Das haben wir dann auch getan. Nun sind sie in der Lage wieder zu fischen, die Krabbensaison beginnt in wenigen Wochen, bis dahin haben sie die Netzte zusammengenäht.
Ich habe erfahren müssen, das auch Pallavakkam ein Menschenleben verloren hat. Mangallakshmi , eine mitte 55 jährige Frau hat ihren einzigen Sohn (30) beim Tsunami draussen auf dem Boot verloren hat. Er war mit 4 anderen draussen, als es passierte und wurde über Bord geworfen, die anderen vier konnten sich retten. Da der Körper nie gefunden wurde, konnte kein Todesschein ausgestellt werden und sie kann keine Unterstützung von der Regierung erhalten. Die Witwe des Sohnes hat 2 kleine Kinder, sie leben zusammen und ich war in ihrem kleinen Haus. Dank eurer vielen Spenden konnte ich mal wieder sofort Hilfe leisten und werde das Schulgeld für die Kinder zahlen und ihnen Unterstützung in Form von neuer Kleidung zukommen lassen.
Hier möchte ich nochmal betonen, das ich nur Gelder verteile, wenn ich die Lage genau kenne und persönlichen Kontakt hergestellt habe, es ist eine sehr schöne Art was zu tun. Es gibt immer wieder neue Aufgaben. Ich werde einem Fischer in einem anderen Dorf, der ein unglaubliches Gesangtalent hat, sein Harmonium, natürlich auch vom Meer weggespült, ersetzen.

An der Tamilnad küste gibt es weiterhin noch lange Arbeit, den die Aufbauphase hat noch gar nicht begonnen, es ist gerade mal die Erstversorgungsphase beendet. Ausserhalb der Stadt sind sämtliche Boote aus privaten Spenden weltweit gestiftet und die Fischer sammeln weiter Boote, weil das Bootfischen im Verband mit vielen Nachbardörfern stattfindet und längst sind noch nicht alle mit Booten ausgestattet. Es wird noch sehr lange dauern.
Wir hatten ein Treffen von vielen aktiven Helfern und dort wurde auch aus der Hauptkatastrophenzone und von einer sehr fähigen weiblichen Dorfvorsteherin gesprochen, die wohl ihr Dorf in einem Alternativstil mit Bambushütten wieder aufgebaut hat mit der Hilfe von Privatorganisationen.
Die Landesregierung hat überall Containerdörfer hingestellt und nur die schwer Betroffenen leben in denen. Man fragt sich wirklich, wo die Gelder aus den Spenden sind und was die Regierung damit macht. Ein Vertreter der Ramakrishna Mission, Madras war anwesend. Sie haben mehr als 230 boote gespendet und Versorgungsküchen überall aufgebaut in der ersten Phase. Diese Organisation und ihr Schwesterzweig Sarada Ashram haben unglaublich viel getan. Sie sind still, sehr sympatisch und ungeheur strukturiert und aktiv.
Ramakrishna mission ist unbedingt unterstützungswürdig, wer in Zukunft in Indien eine Organisation unterstützen will, möge sich an die wenden.
Das weitere Schicksal der Kunimedu Behelfsschule und die gesamte Zukunft dieses Dorfes bei Pondycherry in dem ich viel gespendet habe, habe ich bei dem Treffen vorgestellt und auf die Landspekulationen: wenn die fischer geräumt sind und umgesiedelt, wird dort sicher eine lukrative Hotelanlage mit Swimmingpools gebaut!!! Ich habe alle Aktiven auf die Sache aufmerksam gemacht und eine indische Privatorganisation wird die Sache dort angehen und die Fischer unterstützen, denn ich werde ja Indien in 10 Tagen verlassen um mal wieder in Deutschland zu sein. Sicher wird bis dahin noch was zu tun sein, aber ich werde dann eine Abrechnung des Spendenkonstos in Internet stellen, damit für alle sichtbar wird, was wir hier getan haben.
So plane ich, da ich in die Arbeit ..nicht ganz freiwillig...jetzt doch sehr involviert wurde, im November bei meiner Rückkehr nach Indien weiter zu machen. Schön wäre es eine Schule für Fischer aufzubauen, wo Tanz unterichtet wird und yoga....denn auch dieses Wissen darf nicht nur bei den Stadtintellktuellen bleiben. Dazu ist es von großer Notwendigkeit Toiletten zu bauen in den Fischerdörfern. Auch das will ich im November angehen, und habe dafür schon eine Summe reserviert, mit einer Architektin gesprochen und geeignete Plätze angeschaut.
Anjali aus Chennai

Aufgestellte Huetten   Bewohnte Not-Huetten

Wellblechütten, die zur Notunterkunft von der Regierung aufgestellt wurden

 


Bericht vom 12. März

Im Fischerdorf Kunimedu haben wir für die Drofschule einiges tun können. Die Ersatzschule in diesem Dorf, die stark zerstört wurde und viele Menschenleben voerlor sehr viel, besteht aus einem Raum aus Wellblech. Hier lernen 157 Kinder, drei Lehrerinnen unterrichten sie. Die Kinder lernen in den Stufen 1. bis 5. Klasse. Man muß die Räumlichkeit gesehen haben, um die Leistung der Kinder und der Lehrerinnen unter den Bedingungen wirklich zu schätzen!
Dank Spendegelder konnten wir für die Schule und für die Kidner vieles kaufen:
Schultaschen, Stifte, Landkarten zum Aushängen an den Wänden, Schreibtafel, Ventilatoren, Schränke, Schuluniform...
Es war ein großes Ereignis für die Kinder als wir sie mit der Freundin Hedi aus Heidelberg besuchten. Dennn Hedi hat einen riesen Karton von Kinderspielsachen mitgebracht.

Kinder in Indien   Kinder in Indien
     
Kinder in Indien   Kinder in Indien
 



Bericht aus Chennai 27.02.05

Heute Morgen kamen wir um 4 Uhr von einer Rundreise zurück. Zuletzt waren wir im Sri Sarada Ashram in Ulundurpet, der von Sri Sarada, der Partnerin des berühmten Yogis Sri Ramakrishna inspiriert geführt wird.
Es ist einer der unglaublichsten Plätze, den wir je gesehen hatten und wird von Frauen geführt. Die 40 orange gewandeten weiblichen Sannaysinis, die dort sind, leiten derart phantastisches in die Wege, dass wir sehr glücklich waren, Ihnen einen Scheck aus den Spendegeldern überreichen zu können.
Selbst der für seine scharfe Kritiken gefürchtete indische Historiker, Sozialaktivist und Gandhi-schüler, Dr. Dharampalji, hatte gesagt, dass seit dem Salzmarsch von Gandhi derart großartiges auf sozialem Gebiet in Indien kaum geleistet würde.
Die Schwestern des Sarada Ashram haben viel zum Soforteinsatz in den Katastrophengebieten der Flutwellen beigetragen, beflügelt durch eine Struktur, die sie seit fünfzehn Jahren in 60 indischen Dörfern durch ihre soziale Arbeit entwickelt haben. Sie sind in diversen Schichten tätig, sei es Berufausbildung für die ärmsten Frauen, höhere Schulbildung, organischer Reisanbau (Verwirklichen der „One straw revolution“ von Fukuoka), Forschungszentrum für verloren gegangene Reisarten, Heilung, Spiritualität, Waisenaufnahme oder alte Omas, um die sich niemand mehr kümmert.
Die Anlage wurde vor 15 Jahren als ein Wüstenland gekauft. Am meisten haben uns die Bewässerungsforschungen und ihre praktische Anwendung, beeindruckt. Sie haben alte Brunnen instand gesetzt, zu Unkrautlandschaft reduzierte Seen wieder freigelegt und die karge Landschaft um sie in einen blühenden Garten verwandelt. Sie haben das Know-how und die Infrastruktur, auch in Fischerdörfern das Richtige zu machen und zu entscheiden und haben in Cuddalore, eine der von Tsunami am meisten betroffenen Orte in Indien viel gewirkt.
Alle von Euch, die in irgendeiner Weise in Zukunft Gelder spenden möchten, können diese direkt an den Sri Sarada Ashram überweisen. Jede Spende wird dort unseres Erachtens sinnvoll und effizient genützt. (www.srisaradaashram.org)
Dann waren wir wieder in Ekkikuppam. Wir haben jeder der 500 Familien ein Netz in Aussicht gestellt. Wir erwarten jedoch zunächst, dass die Dörfler dort tätig werden und auch den Plastikmüll sammeln und nicht alles verschmutzen. Es ist wichtig, nicht nur Dinge zu spenden, sondern auch darauf aufmerksam machen, dass wir ein soziales Gefüge sind. Das ist die schwere Arbeit.
Die Situation ist gelähmt, weil die Fischer warten, was die indische Regierung nun endlich macht und entscheidet. Sie reparieren ihre Netzte nicht und lassen alles herumliegen, weil sie darauf warten, was sie hoffen, das sie alles geschenkt bekommen, was ihnen fehlt. Viele schlafen nachts in von der Regierung gestellten schwarzen Wellblechbaracken, die neben dem Küstenhighway in Massen auf den Sand gestellt wurden und kochen notdürftig in ihren alten Häusern am Meer. Die letzte Meldung der Presse war, alle Fischer sollen umgesiedelt werden, während Farmhäuser, reiche Villen und Holidayresorts stehen bleiben dürfen, mit der Begründung, jene könnten sich durch hohe Mauern und hohe Stockwerke schützen. Gestern gab es erste Protestmärsche der Fischer, die Polizei geht denen aber knüppelhart entgegen. Unsere Freundin Lakshmi begleitet die Fischer als Vermittlerin auf Verhandlungen zu Politikern, um für Ihre Rechte zu kämpfen.
Auch müssen wir dafür kämpfen, dass hier große Organisationen, die viel Geld spenden, nicht mehr Boote spenden an einem Dorf, als das, was es früher hatte. Bei einer Überzahl von Booten sterben die Catamarams, zusammengebundene Holzplanken, die sehr ökologisches fischen ermöglichen, aus. Und wenn das Nachbardorf gar nichts bekommt, führt das zu heftigem Streit unter den Dörfern.
So warten viele Fischerdörfer bis auch ihre Nachbardörfer Boote bekommen. Erst dann wollen sie richtig fischen gehen. Es könnte sonst zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen beim Verkauf von Fischen auf dem Markt. Es fischen diejenigen, die jetzt schon Boote bekommen haben, nur für den Eigenbedarf, fast heimlich.
Viele private Stiftungen kaufen weiter Boote, die auch noch in fast unendlicher Stückzahl benötigt werden, sehr wichtig ist aber auch auf eine gerechte Verteilung zu achten! Die Ramakrishna Mission zum Beispiel, die mit dem Sri Sarada Ashram zusammen arbeitet, kauft auch Boote, beachtet aber dabei, wie viele Boote einem Dorf tatsächlich zustehen und was das Nachbardorf hat und wie die Dörfler diese verteilen, vor allem ob die Boote Privatbesitz oder Allgemeingut werden! Viele Fischer haben keine eigenen Boote, sie fischen zu 5. oder 6. auf einem Boot und teilen den Fang. Ihr Zusammenhalt und soziales Gefüge ist stark, denn niemand kann allein fischen gehen mit Netzten, es ist Teamwork, so macht es keinen Sinn wenn ein Dorf zu viele Boote bekommt. Es gefährdet den Zusammenhalt.
Die Regierung sitzt auf den vielen Spendengeldern, baut damit pro Dorf bis zu 1000 schwarze Wellblechbarracken in der Sonne und legt in diese unglaublich heißen und unbewohnbaren Unterschlüpfe Strom. Ein Skandal!
Gerade kam Hedi aus Heidelberg, sie hat 4 Kartons Stofftiere gesammelt, das wird eine Aktion fürs Herz werden. Auch die brauchen wir. Bis jetzt hat die erste Klasse in dem völlig zerstörten Kunimedu Stofftiere von uns (gesammelt von einer Nachbarin in Airlenbach) bekommen. Ein schwarzer Container ist zur Zeit ihre Schule.
Da Sriram diese Woche nach Deutschland zurückgeht, werde ich allein die begonnenen Aktionen mit der Freundin Lakshmi fortsetzen.
Anjali

 

Anjali und Sriram 

Alle, die sich mit einer Spende beteiligen möchten, können, unter der Angabe "Seebeben Spende", an das unten stehende Konto ihren Beitrag überweisen. Dieses Geld ist steuerlich nicht absetzbar.

Empfänger: Konto inzwischen geschlossen


Bericht aus Chennai 15. 02.05

Noch zwei weitere Boote wurden gespendet mit einer ganzen Reihe von Netzen an das Dorf Mandavai. Es war ein großes Fest für das Dorf mit 120 Familien, da der Fischfang sehr gut war und alle zum ersten Mal nach 6 Wochen Fisch essen konnten! Wir sind in Gespräch mit paar anderen Dörfern und Schulen jetzt und berichten demnächst mehr.
 

 
     
 
 

Bericht aus Chennai 1.02.05
 

Am Sonntagmorgen sind unsere zwei Boote ins Meer zur Jungfernfahrt. Es war ein sehr anrührender Anlass, wie die Fischer aus Sand am Strand die Symbole ihrer Götter geformt haben, sie mit Blüten geschmückt und dann eine Kampferflamme angezündet haben, wie alle andächtig da standen und in Stille beteten - da war ein stilles Glück anwesend, dass es weiter geht.

 
     

Es war besonders schön, dass ausgerechnet der Alternativnobelpreisträger  Sunderlal Bahugunaji (Umweltaktivist,  Gründer der Chipkobewegung, Gegner des Staudammprojekts Tehri) in Chennai weilte. Da wir ihn kennen, konnten wir ihn zur Zeremonie einladen. Er war mit seiner sehr besonderen Frau Vimalaji anwesend, dazu noch ein bekannter Filmemacher, der alles gefilmt hat und auch Photos gemacht hat.(im Anhang anzusehen) Natürlich hätten wir die Presse einladen können, bei der Anwesenheit solcher VIPs, aber wir arbeiten lieber in Stille mit diesen Projekten. Die Boote gingen dann mit uns allen an Bord ins Meer hinaus und zum Fischfang. Die Fischer müssen nun in den nächsten Tagen erst das Meer erkunden, denn es hat sich sehr verändert. Ich habe später mit den Fischern den ersten Fischcurry vom Fang gegessen. Seit einem Monat gab es kein Fisch für sie, insofern war es sehr besonders für alle. Unsere Freunde haben 300 Süßigkeiten fürs ganze Dorf gespendet. Im Moment sind sehr wenig Fischerdörfer, die fischen gehen.

 

Das Gute an den Auswirkungen der Katastrophe ist, dass die verschiedenen Gesellschaftsgruppen miteinander ins Gespräch gekommen sind. Viele Schüler und Universitätsstudenten kommen in die Fischerdörfer und spielen mit den Kindern. Endlich erhalten auch die Fischer mal Aufmerksamkeit vom Rest der Gesellschaft.

Am selben Tag haben wir weitere Boote bei der Werft bestellt und festgestellt, dass auch von großen Stiftungen (Karl Kübel – „Hessen hilft den Flutopfern“) jetzt Boote bestellt sind und sie hergestellt werden. Aber es gibt immer noch viele Dörfer, die bis jetzt keine Hilfe erhalten haben und wir werden weiter beschäftigt sein. Das Nachbardorf von Mandaiwai soll 22 Menschenleben verloren haben und bis jetzt ohne jede Hilfe, das hat uns der Netzhersteller gesagt und uns aufgefordert, dorthin zu gehen. Also wir sind ziemlich auf den Beinen.

 

Das Deutsche Generalkonsulat hat eine Stelle zur Verfügung gestellt für einen Beamten für Tsunami! Er war noch nie in Indien, ist aber sehr offen und wir können dann hoffentlich alle zusammen kommen. Es gibt hier noch einen Deutschen,  Uwe Koppel, der zur Zeit in Deutschland ist und im Fernsehen für Gelder wirbt, mit dem wir dann uns auch zusammen tun wollen.

Unsere eingesammelten Spenden kommen auf persönlicher Art in die Dörfer ohne Zwischenvermittler. Es geht immer darum, auch Freundschaften mit den Menschen zu schließen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Sie haben ein völlig anderes Zeitverständnis als wir. Wenn Sriram mit den Fischern redet und alle um ihn herum sitzen, muss ich an die Yogaseminare in Deutschland denken, plötzlich  redet er zu anderen Themen und ganz anderen Menschen. Abends wenn wir nach Hause kommen, sind wir sehr müde und überwältigt.

Die Photos der Zerstörungen bekommt ihr ja eh aus den Medien, wir liefern nur die positiven Berichte über die Arbeit gegen das Resignieren.

Mit lieben Grüssen


Bericht aus Chennai, 23.01.05

Es sind knapp 20,000 Euros eingegangen auf das Spendenkonto, das wir eingerichtet haben. Wir bedanken uns herzlich bei all den Freunden, Schülern und Bekannten, die hier gespendet haben. Eure Spende ist nicht nur eine direkte Hilfe für betroffene Fischerfamilien, sie motiviert uns auch, uns für die Fischer zu engagieren.

Wir fokussieren unsere Aktivität auf 3 Fischerdörfer:
Kanathur - außerhalb der Stadtgrenze von Chennai, in der Nähe von unserem Haus in Uthandi, das absolut desolat ist, es hat 2 Menschenleben verloren und 50 Hütten wurden weggespült. Morgens sitzen die Fischer mit leerem Blick in Gruppen rum.
Pudu-idai-ur - 50 Kilometer südlich von Chennai, das einen totalen Zusammenhalt hat und wir das unterstützen wollen.
Mandaiwai - 120 Kilometer südlich von Chennai. Dort wollen wir auch Solarkochöfen kaufen und einführen - diese sind sehr preisgünstig (30 Euro pro Stück), da die Fischer durch den Verdienstausfall kein Geld für Petroleum haben. Die indische Regierung hat allen Fischern ein Sofortgeld gegeben, aber das ist bald aus und ohne Boote kommt kein Geld rein.

Wir reden mit den Fischerfamilien und verbringen mit ihnen Zeit. Unser Ziel dabei ist, dass sie ihre Ängste überwinden gegenüber dem Meer, dass sie sich nicht umsiedeln lassen, dass sie ihre Dörfer aufräumen, dass sie den Angst einjagenden Gerüchten keine Beachtung schenken („am 26.Januar geht was schlimmes an der Küste Tamil Nadus ab!!! Tsunami 2 kommt“ usw) Wir haben zusammen mit der Organisation BHUMIKA aus Chennai zwei Boote gekauft für das Dorf Pudu-idai-ur, sie werden in 2 Tage geliefert. Dieses kleine Dorf von nur 45 Familien wird diese 2 Boote erst einmal teilen und damit fischen gehen. Die Boote – es werden jeweils 5 Fischer von fünf verschiedenen Familien drauf fischen gehen - kosten jeweils 2000 Euros.
Unser Eindruck von der Lage: Die Fischer von Tamilnadu bilden eine geschlossene Gesellschaftsgruppe mit einem beispielhaften Zusammenhalt. Familien, die Mitglieder verloren haben, sind verwandt mit anderen Familien innerhalb des gleichen Dorfes oder eines anderen Dorfes und werden so aufgenommen. Die Familien, die näher am Wasser gelebt haben, haben erheblichen Sachschaden erlitten, wohnen weiter weg vom Meer bei Verwandten, die weniger verloren haben. Aber sämtliche Familien von allen Küstendörfern Tamil Nadus haben große Verluste, weil sie alle ihre sämtlichen Boote und Netze verloren haben, da diese immer direkt am Wasser waren. Boote und Netze sind sehr teuer. Nur ein paar konnten schwer beschädigt zurück gewonnen werden, sie hingen in Bäumen oder auf großen Häusern im Landesinneren. Absurde Bilder!
Die Fischer haben alle noch große Angst vor dem Meer. Auch wenn ihre Häuser nicht beschädigt wurden, schlafen sie nachts im Lager, weit weg von der Wasserlinie. Außerdem fangen sie nicht damit an, die kaputten Netze oder Boote zu reparieren, weil die Regierung kein klares Wort gesprochen hat, dass es für sie sicher ist, fischen zu gehen. Zu dem hat sich das Meer sehr verändert: die Wasserlinie ist überall mindestens 10 bis 20 Meter hereingerückt, die Strände sind durch die Sandmassen, die die Fluten brachten, viel höher geworden. Vielleicht möchte das Meer die Sanddünen wieder aufbauen, die Menschen in den letzten Jahrhunderten vernichtet haben. Die Regierung will die Fischer umsiedeln, wir gehen davon aus, dass die Regierung hinterher die gewonnenen Strandbereiche für andere Projekte ausnützen wird, welche ihr mehr Geld bringen. Auf jeden Fall droht ein Zerfall der bestehenden Fischerkultur, dem nur das moralische Stärken der Fischer entgegenwirken kann, für das wir uns auch persönlich einsetzten und gerade sehr viel Zeit dafür einbringen.
Zunächst einmal haben die ganzen Fischerfamilien noch kein Einkommen, da sie nicht fischen gehen. Es gibt doch viele Organisationen, die freiwillig helfen mit Lebensmitteln. Aber die Lage ohne Bargeld ist überhaupt nicht leicht für sie. Es ist nicht gut, wenn sie allmählich zu Bettlern reduziert werden. Viele kleine Organisationen sind mit der wichtigen Aufgabe beschäftigt, den Fischern moralischen Beistand zu leisten und der Regierung gegenüber ihre Rechte zu vertreten.
Nach den nächsten Gesprächen mit den Fischerdörfern werden wir entscheiden, wie wir das Geld weiter einteilen und einsetzen: auf alle Fälle Boote und Netze kaufen! Wir vermachen die Boote dem gesamten Dorf als Gemeingut, sie haben versprochen zu teilen. Das erste Boot, das wir gespendet haben heisst Gauri Anjali. Es ist morgen fertig und soll am 27. Januar in See gehen. Wir wollen dabei sein und euch die Photos übermitteln. Sobald Fische gefangen sind, haben die Fischer Motivation. Unsere Boote werden mit zu den ersten gehören, die in See gehen an der Tamilnaduküste. Viele Organisationen liefern Reissäcke und versprechen Boote, hängen ihre Banner auf und doch geschieht dann weiter nichts... Kanathur hat 75 Boote verloren, 20 konnten gerettet werden sind aber in desolatem Zustand. Die Fischer sehen TV und täglich wird von den Millionenhöhen der Spenden, die eingegangen sind, berichtet und sie wundern sich, wann das Wunder über ihr Dorf hereinbricht…das macht sie auch lahm, wir sind da eher skeptisch. (etwa wenn diese Gelder zur Umsiedlung und Landkauf weg von der Küste benützt werden)

Im Moment finden wir die Fischer in trostloser Lage, ziemlich deprimiert und sie hängen rum, sie müssen unbedingt wieder zum arbeiten zurückgehen, sonst bereitet sich Alkoholismus und Kriminalität unter diesen Naturmenschen, die immer autark gelebt haben aus.

 


Bericht aus Chennai, 07.01.05

In Chennai nimmt das Leben wie immer seinen Lauf. Nur wer an den Strand kommt, sieht, dass alles anders ist: bleierne Stille, kein einziges Boot auf dem Meer, keine Boote oder Fischernetze am Strand. Sonst war es am Spätnachmittag ein friedliches Bild, die Fischer auf den Katamarans fuhren los, reparierten ihre Netze, die Frauen trockneten oder sortierten die Fische… Die Fischer entlang der Küste von nördlichem Tamilnadu (etwa 400 Kilometer) sind besonders betroffen. Das Meer ist eher ihre Heimat als das Land. Insofern mischten sie sich nie völlig mit der restlichen Gesellschaft. In einem Land von vielfältigen Parallelgesellschaften, bildeten sie eine eigene Volksgruppe für sich, von mutigen und kämpferischen Menschen. Jetzt sind ihre Häuser und Hütten zerstört, sämtliche ihrer Boote vom Meer genommen: verwirrte Menschen mit leeren Blicken.
Fischfang ist zurzeit verboten, aber auch unmöglich. Noch ist das Meer unruhig. Sämtliche Bote der ganzen indischen Küste sind weg. Eine Gesellschaft, eine die stolz und unabhängig lebt, ist völlig am Boden
An der Küstenstrasse hinunter nach Pondichery sind überall Zeltlager. Blaue Plastikplanen über Holzstangen - dort leben sie einstweilen. Essen wird von der Regierung oder von einer Unzahl vieler kleiner Organisationen geliefert. Was fehlt ist Zuspruch, davon werden die Menschen erst mal noch viel mehr brauchen.
Wie soll es weiter gehen? fragen sie sich. Auf keinen Fall dürfen sie zu abhängigen Bettlern reduziert werden.
Wir haben ein kleines Dorf zwei Stunden südlich von unserem Haus die Küste hinunter besucht: Chinna-Cudalore. Dort ist alles in 500 Meter Entfernung vom Wasser zerstört. Die Gebäude, die aus Stein waren, stehen noch, doch ohne Türen und es ist ein halber Meter Sand darin: sämtlicher Hausrat weg, sämtliche Kleidungstücke, Möbel, Geschirr, alles. Boote, Netze und Hütten sind alle weg. Wie eine Geisterstadt sieht es aus. Als die Welle kam hatten alle 52 jungen Männer von diesem Dorf, die sonst fischen gegangen wären, sich gerade zu einem Gebet versammelt, um zu einem Tempel im Inland aufzubrechen und Opfer zu bringen: so konnten sie schnell die Alten und die Kinder packen und mit dem Wasser entlang nach innen ziehen. Sie haben deshalb kein Leben verloren. Zur Zeit leben die meistern bei Verwandten (dank der intakten, sozialen Familienstruktur) im oberen Teil des Dorfes an der Strasse, aber tagsüber standen sie herum, denn sie wissen nicht weiter: werden sie je zum Meer und zu ihrem Leben zurückkehren können nach solchen traumatischen Ereignissen.
Schnell mal die Fischfängerei motorisieren, Land aneignen für gewerbliche Zwecke, schnell sozial unpassende Hilfsmaßnahmen ergreifen, die den Zusammenhalt der Fischer gefährden können: viele Organisation und Spender sind bereit, die Situation auszunützen. Deshalb muss der Wiederaufbau vorsichtig angegangen werden. Wir persönlich glauben nicht, dass auch nur eine der großen Organisationen hier ohne Eigennutz Hilfsarbeit leistet.
Es sind in Tamilnadu unzählige Organisationen an Hilfsaktionen tätig, in der nächsten Phase wird es um den Wiederaufbau gehen. Wir sind in Kontakt mit einigen Organisationen, die sich vorgenommen haben, einen sozial verträglichen, traditionsbewussten und umweltgerechten Wiederaufbau durchzuführen und andere Organisationen zu unterstützen, die es wo anders ähnlich lösen. Nach einer Woche werden wir näheres zu den geplanten Aktionen von diesen Organisationen berichten. Zur Zeit sind wir konkret im Gespräch mit den beiden Organisationen CIKS und Samanvaya in Chennai. Desweiteren hörten wir dass Sharada Ashram in Ulundurpettai (nahe bei der stark betroffenen Stadt Kuddaloor) - ein Zweig vom berühmten Ramakrishna Ashram – in diesem Sinne auch gute Arbeit leistet und sehr aktiv ist. Wir werden persönlich an den nächsten Treffen teilnehmen und näheres in Erfahrung bringen.

In der Gegend um unser Haus ist das Wasser bis 300 m reingekommen. Da am strand keine Fischer sind, sind nur die Villen betroffen und die „watchmen community“, die dort in kleinen Häusern leben. Da es zum Glück am Tag war, haben einige die am Strand wohnen, gerufen „das Meer kommt“, schnappten die Kinder und rannten ins Landesinnere. Ein paar Männer gingen zurück, um die Kühe loszubinden - die kamen aber schon angeschwommen. Bei uns hat niemand das Leben verloren. Für die Sachschäden dieser „watchmen“ sorgen die Grundstückbesitzer. Ein Mann wurde schwer verletzt von einer in den Wassermassen einstürzenden Mauer. In den Villen, die nur 100 m vom Wasser weg sind, sind die Gärten zerstört, aber die Gebäude stehen. Was für Kraft das Wasser hat sieht man an all den toten Pflanzen. Bis kurz vor unserem Haus ist das Wasser vorerst mal salzig geworden und nicht trinkbar.
In unmittelbaren Nachbargegenden sieht es ganz anders aus. Dort wurde auch aus den Villen, von der Waschmaschine bis zum Fernseher, alles fortgespült. Schreckliche Bilder der Verwüstung und unersetzlicher Verlust menschlichen Lebens tun sich dort auf.

Wir bedanken uns bei allen, die gespendet haben.

Anjali und Sriram

 


29.12.2004
Unsere Freunde und Verwandte in Indien haben persönlich keine Schäden erlitten durch die Naturkatastrophe. Auch unser Haus - als fünftes vom Strand aus gesehen - wurde nicht beschädigt, das Wasser kam nur bis zum dritten. Die Familie, die auf unserem Grundstück lebt, hat uns am Telefon gesagt, dass auch das Wasser im Brunnen rein ist und die Elektrizität seit heute morgen wieder da ist, nur haben sie furchtbar Angst. Wenn das Flutwasser abtrocknet, wissen wir nicht, was dann alles auf uns zukommt, Bakterien?
Einige von Euch haben uns gebeten, Spenden mitzunehmen und vor Ort weiterzuleiten.
Unsere Freunde Balu und Viji, die die CIKS Organisation leiten, sind involviert im Wiederaufbau. Wir kennen sie persönlich, sie leisten großartige Arbeit im Bereich biologischer Anbau und sind zur Zeit in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, die Katastrophenhilfe leisten. Bis jetzt ging es vorwiegend um Nahrung und Kleidung, jetzt geht es vor allem um Kochutensilien, Lebensmittel und medizinische Versorgung. Danach wird es um den Aufbau von Hütten und um die Beschaffung von Mitteln, so dass die Betroffenen ihren Beruf wieder aufnehmen können, gehen. Wir haben ein Spendenkonto eröffnet. Wir werden das Geld dieser Organisation für ihre Hilfe für die Opfer der Seebeeben in Tamil-Nadu, Südindien geben. Alle, die sich mit einer Spende beteiligen möchten, können, unter der Angabe "Seebeben Spende", an das unten stehende Konto ihren Beitrag überweisen. Dieses Geld ist steuerlich nicht absetzbar.


Wir werden auf dieser Webseite über die Art und Weise, wie das Geld eingesetzt wurde, berichten.
Wir sind ab dem 2. Januar in Chennai.


Rückfragen bitte an Ilango